Produktionswirtschaft und Industriebetriebslehre für Unternehmensberater

Viele Consultants beraten vor allem Dienstleister. Wenngleich diese Spezialisierung durchaus Sinn machen kann ist es dennoch empfehlenswert, auch ein tiefergehenden Verständnis für produktionswirtschaftliche Vorgänge zu entwickeln, da auch in der betrieblichen Fertigung ein nicht unerheblicher Beratungsbedarf besteht. Daher sollte jeder Lehrgang für Unternehmensberater unbedingt die aktuellen Erkenntnisse der Industriebetriebslehre einschließen.

Die Produktion kann in verschiedene Teile aufgespalten werden. Einerseits dient die Materialwirtschaft, auch Warenwirtschaft genannt, zur quantitativen und qualitatitven Überwachung, Planung und Steuerung der Bedürfnisse des Unternehmens nach Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen, Einzelteilen von Zulieferern und Halbfabrikaten. Auch Güter für die Verwaltung wie Büromaterial oder für die Fahrzeuge zählen darunter.
Die Bedarfsbestimmung kann in der Beschaffung, auch Logistik genannt nach individuellen Gesichtspunkten unter Verwendung von ERP-Software (Enterprise-Resource-Planning) erfolgen. Verschiedene Beschaffungsprinzipien und Bestellpolitiken sind bekannt:

Bestellrhythmussysteme
t,q–Politik oder t,S–Politik

Bestellpunktsysteme
s,q–Politik oder s,S–Politik

Mischverfahren
T,s,S–Politik oder auch T,s,q–Politik

Bei den Analyse-Methoden unterscheidet man die ABC-Analyse, die XYZ-Analyse, die Materialflussanalyse und die Wertanalyse sowie die Bestandssegmentierung.

Einen weiteren zentralen Stellenwert nimmt in der Produktionswirtschaft die Produktionsplanung und -steuerung (PPS) ein. Mit diesem Teilbereich der BWL verbinden sich auch das Wirtschaftsingenieurwesen die Mathematik und die Wirtschaftsinformatik eng.
Ziel ist die zeitliche, mengenmäßige und räumliche Ausgestaltung, Planung, und Kontrolle jener Vorgänge, die der Herstellung von Waren und Dienstleistungen dienen. Auch hier wird in aller Regel unterstützend IT-Technologie eingesetzt, man spricht von Advanced Planning and Scheduling (APS).

Die Produktionsprogrammplanung beschäftigt sich mit der konkreten Ausgestaltung der zu erstellenden Produkte, wobei hier meist unter Gesichtspunkten der Kapazität, der Kapitalbindung und der terminlichen Verfügbarkeit entschieden wird. Konkret findet sie Ausdruck in der Produktionsprozessplanung, welche durch die Losgrößenplanung, die Durchlauf- und Kapazitätsterminierung und die Reihenfolgeplanung gegeben ist.

Die Produktionssteuerung wiederum dient der Durchführung und Überwachung der herzustellenden Aufträge und gliedert sich in die Auftragsfreigabe, dem Arbeitsplan und der Arbeitsvorbereitung und die Auftragsüberwachung. Häufig sind spezielle Produktionstechniken wie etwa die Just-in-time-Produktion oder die Kanban Produktion.

Ein zentraler Begriff der Logistik ist das Supply-Chain-Management (SCM). Das Lieferkettenmanagement bestimmt die Planung, das Management und dei Verwaltung all jener Arbeitsschritte, welche bei der Lieferantenwahl, der Beschaffung und der Umwandlung logistischer Prozesse auftreten können.

Bedeutsam ist das SCM bei der Lösung von Nachteilen, welche aufgrund ungleicher Wissensstände und verzerrter Informationsausbreitung innerhalb der Lieferkette entstehen können. Derartige Informationsasymmetrien werden häufig durch den so genannten Peitscheneffekt (bullwhip effect) beschrieben. Auch der Wettbewerb innerhalb der Lieferkette, die Vergabe von Dispositionsrechten und Leistungsprozessen, die Ausgestaltung der Prozessstrukturen in der Supply Chain, die Verwendung von Performance Measurement Systemen, die Einbindung von Qualitätsmanagement sowie die Reduktion der Komplexität innerhalb eines Systems sind von hoher Bedeutung für den reibungslosen Ablauf einer Lieferkette.
Die Verträge zwischen den Teilnehmern im SCM können generell nach diversen Mustern eingegliedert werden. So kommen ein Revenue-Sharing-Vertrag, ein Quantity flexibility contract, der Options Contract und die Rückkaufvereinbarung zum Einsatz.

Einen weiteren, immer wichtiger werdenden Stellenwert hat innerhalb der Produktionswirtschaft die Entsorgung und das Recycling. Dieses, auch Rezyklierung genannt, sorgt dafür, dass Abfallprodukte wiederverwertet werden können, so dass die Ausgangsmaterialien wieder dem Produktionsprozess in Form von Sekundärrohstoffen zur Verfügung stehen. Das wieder senkt die Kosten und schont die Umwelt, was unter Marketinggesichtspunkten ein bedeutsames Verkaufsargument ist.

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