Wird man am Ende des Jahres 2015 nach dem “Unwort des Jahres” fahnden, wird Grexit bestimmt eines der Top-favorisierten Worte auf diesen Titel sein. Kein anderes Thema treibt Politiker, Industrielle, Wirtschaftswissenschaftler und die Bürger in der EU so um wie die Staatspleite Griechenlands. Die Hellenen haben es der verhassten Troika aus Europäischer Kommidsion, der EZB und dem IWF nicht gerade leicht gemacht, zähe Verhandlungen ohne substanzielle Errungenschaften ließen viele Politiker frustriert zurück.

Was den Ausstieg Griechenlands aus der Euro-Zone anbelangt, wurden nahezu alle Szenarien schon durchexerziert. Eine galoppierende Inflation, Einbruch bei den Importen, der mehr oder weniger totale Zusammenbruch des bürokratischen Systems und der Verwaltung bis hin zu Unruhen und dem Austritt aus der Eropäischen Union – all das haben die Politiker nicht nur im Parlament und in den Hinterzimmern, sondern auch ausführlich in den hinlänglich bekannten Talkshows durchexerziert. Ein Thema fiehl dabei jedoch immer wieder etwas unter den Tisch: Die Angst vor einem Staatstreich durch das Militär.

Gerade die Armee Griechenlands ist trotz aller (mehr oder weniger aufrichtig durchgeführten) Sparbemühungen des Landes eine wirkliche Macht. Kein anderes Land in Europa leistet sich eine größere Armee als Griechenland, bezogen auf die Einwohnerzahl. Das Kriegsgerät ist zu großen Teilen modern und vor allem einsatzfähig – im Gegensatz zu Deutschland könnte man nun spotten.

Die Frage ist, ob diese mächtige Institution im Lande die Füße still halten wird, wenn es zweifelsfrei zumindest vorübergend zu chaotischen Zuständen in Griechenland kommen wird. Das mag bezweifelt werden, Belege fehlen jedoch aktuell dafür.

Dennoch sollte man sich die Frage stellen, welche Konsequenzen sich ergeben könnten, würde eine militärische Führung über Wohl und Wehe des Landes befinden. Abseits der zahlreichen Konflikte mit der Türkei muss die Situation erörtert werden, die sich für ausländische Unternehmen in Griechenland dann ergibt. Man mag nun einwenden, dass ohnehin kaum mehr ausländische Investoren in Griechenland sind, allerdings bieten gerade Neuanfänge auch große Chancen für Unternehmen, die es zu nutzen gilt. Können die Griechen nämlich nicht mehr wie bisher zinsgünstig aus der Rest-EU importieren (das ist die Ursache der Pleite), so werden wie auf heimische Produkte und Dienstleistungen angewiesen sein. Damit müssen ausländische Unternehmen jedoch vor Ort sein, um mit verdienen zu können. Chineische und russische Firmen haben es schon vorgemacht, indem sie etwa den Hafen von Piräus in ihren Einflussbereich gebracht haben. Wie wird die Zusammenarbeit sein, wenn eine Militärführung das Land regiert?

Natürlich ist diese Frage nicht schlussendlich zu beantworten. Aber es ist wichtig, sie in den Raum zu stellen, schon aus dem ureigenen Interesse Griechenlands selbst. Die Erfahrung in anderen Ländern zeigt, dass oftmals bestehende Verträge und Abmachungen nach einem Putsch nicht länger Bestand hatten. Diese Diskussion muss daher auch für Griechenland geführt werden, und zwar schleunigst.