Die Liquiditätsplanung bei Existenzgründung

Bei der Liquiditätsplanung, die im Rahmen einer Existenzgründung durchgeführt werden sollte, handelt es sich um einen notwendigen Prozess, der über den Fortbestand des Unternehmens entscheiden kann. Dabei wird geprüft, ob es möglich ist in den folgenden Monaten die Rechnungen für Versicherungen, Mitarbeiter, Miete, etc. zu bezahlen.
Dies ist ein fortlaufender Prozess, der regelmäßig durchgeführt werden muss. Bei länger bestehenden Unternehmen, ist die Planung auf bis zu 12 Monate auszudehnen. Es handelt sich hierbei um eine Prognose der Buchführung.
Während diese die genauen Einnahmen und Ausgaben festhält, beschäftigt sich die Liquiditätsplanung mit den wahrscheinlichen Einnahmen und Ausgaben. Diese sind in gesonderten Rubriken zu erfassen, um einen optimalen Überblick zu erhalten. Der Überschuss, der monatlich entsteht, kann zur Begleichung der Rechnungen genutzt werden. Liegt hingegen eine Unterdeckung vor, besteht akuter Handlungsbedarf. Ein großer Teil der Insolvenzverfahren junger Unternehmen ist auf Probleme der Liquidität zurückzuführen. Eine unpräzise Schätzung der Ausgaben ist dabei der Hauptgrund. Daher sollten folgende Sachverhalte genauestens durchdacht werden:

  • Welche fixe Kosten wie etwa Miete und Nebenkosten, Versicherungen und Kosten für Fahrzeuge etc. fallen an?
  • Welche Aufwendungen für Zinsen und Kredittilgungen sind zu leisten?
  • Wie hoch sind Verbindlichkeiten gegenüber den Lieferanten und wo sind Grenzen einzuhalten?
  • Welche Kreditspielräume stehen zur Verfügung, wenn das Eigenkapital nicht ausreichen sollte und die bestehenden Kreditrahmen ausgeschöpft wurden?
  • Ist die Höhe des Kontokorrentkredits bei Banken ausreichend bemessen und wie ist die Konditionen?
  • Welche Finanzreserven können bei einem Notstand noch abgerufen werden? Können Bürgschaften angefordert werden? Sind Familienmitglieder bereit, finanziell zu unterstützen?
  • Wie ist die Zahlungsmoral der Kunden und wann zahlen die Kunden in der Regel offene Rechnungen?

Um diese Überlegungen zu Ende zu denken, werden diverse monetäre Größen benötigt, die Sie auf Ihren Kontoauszügen, in Ihren offenen Rechnungen, sowie Forderungen und in den Verträgen finden können. Sollte nach der Überprüfung sämtlicher Zahlen eine Unterdeckung im Raum stehen, kann auf folgende Weise reagiert werden:

  • Zahlungsfrist für die Kunden verkürzen oder Anreize schaffen für schnellere Bezahlung (Gutscheine)
  • den Kunden Skonto bei zügiger Bezahlung anbieten
  • Anzahlungen oder Teilzahlungen vereinbaren
  • Auf Factoring zurückgreifen um nicht bezahlte Rechnungsansprüche nicht zu verlieren.
  • Engagieren eines Inkassounternehmens
  • Kontokorrentkredite nur kurzfristig nutzen und auf längerfristige Kreditlinien setzen
  • Die Zahlungen offener Rechnungen im rechtlichen Rahmen zur Not aufschieben
  • Forderungen an Dritte abtreten – >siehe Factoring
  • Neue Geldgeber in Form von Gesellschaftern, stillen Teilhabern, Aktionären usw. gewinnen
  • Unternehmensvermögen zu Verkauf anbieten

Die Erfahrung zeigt, dass eine mangelnde Liquidität nicht ohne die Hilfe der Hausbank oder anderen Geldgebern bewältigt werden kann. Wichtig ist auch im Vorfeld über eine Reserve zu verfügen, die in Notsituationen aufgebraucht werden kann – diese sollte für drei Monate ausreichen. Längerfristige Kapitalbindungen sollten über einen längeren Zeitraum abbezahlt werden, um die Rate möglichst niedrig zu halten. Kurzfristige Verbindlichkeiten kann der Kontokorrentkredit auffangen. Diese können zeitnah wieder beglichen werden.

Finanzmathematische Verfahren helfen gerade Existenzgründern aber auch bereits etablierten Unternehmen den Durchblick zu behalten. Unsere Unternehmensberater stehen Ihnen hier gerne mit Support zur Verfügung, der sich unmittelbar finanziell vorteilhaft für die Liquidität Ihres Unternehmen auswirken kann.